Doppelbesteuerung bei der Familienstiftung: Ist das wahr?
Shownotes
In dieser Episode spreche ich darüber ob du bei einer Familienstiftung am Ende doppelt Steuern zahlst. Ich erkläre dir, warum es steuerlich wenig sinnvoll ist, sämtliche Erträge jedes Jahr privat auszuzahlen, und wo der eigentliche Vorteil der Stiftung liegt. Du erfährst, wie Reinvestitionen und der Zinseszinseffekt den langfristigen Vermögensaufbau beschleunigen und warum eine strategische Planung der Auszahlungen entscheidend ist.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Babett: Sandra, du erzählst immer wieder von vielen Steuervorteilen der Familienstiftung.
00:00:04: Babett: Aber wenn ich mir das Geld aus der Stiftung auszahle,
00:00:06: Babett: dann muss ich es doch noch mal privat versteuern.
00:00:10: Babett: Das heißt, dann zahle ich ja eigentlich doppelt Steuern.
00:00:13: Babett: Ist das also Augenwischerei?
00:00:16: Sandra: Genau.
00:00:17: Sandra: Also wenn du dir das Geld Jahr für Jahr, was die Stiftung erwirtschaftet,
00:00:20: Sandra: direkt wieder vollständig zu dir privat auszahlst, dann macht das steuerlich gar keinen Sinn.
00:00:26: Sandra: Aber so machen wir das ja auch nicht.
00:00:28: Sandra: Es gibt ein Prinzip dahinter.
00:00:33: Sandra: Und wenn du dem folgst, dann profitiert die Stiftung ganz deutlich von den Steuervorteilen.
00:00:37: Sandra: Wenn du dich jetzt gewundert hast: Was ist das für eine Stimme?
00:00:39: Sandra: Ja, du bist richtig beim Podcast „Familienstiftung gestalten – weniger Steuern, mehr Vermögen“.
00:00:44: Sandra: Ich bin Sandra Schmidt, Steuerberaterin und Stiftungsberaterin.
00:00:47: Sandra: Und heute habe ich wieder Babett mit dabei, die mir wieder Fragen stellt,
00:00:49: Sandra: die ihr mir gestellt habt.
00:00:53: Sandra: Das hier ist eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt worden ist.
00:00:56: Sandra: Also lass uns bitte Schritt für Schritt reingehen und das Prinzip einmal im Detail durchdenken.
00:01:01: Sandra: Wenn du also nun in der Stiftung investierst, und das zum kleinen Steuersatz,
00:01:06: Sandra: macht es Sinn, das Geld in der Familienstiftung drin zu lassen und da wirklich zu investieren.
00:01:12: Sandra: Also lass uns mal schauen.
00:01:13: Sandra: Die Familienstiftung ist ja wirklich optimal,
00:01:15: Sandra: weil sie in allen Bereichen deutlich weniger besteuert wird als wir Privatmenschen.
00:01:20: Sandra: Wenn wir uns zum Beispiel einmal die Vermietungseinkünfte anschauen,
00:01:23: Sandra: da zahlt die Stiftung ja nur fünfzehn Prozent Steuern drauf.
00:01:27: Sandra: Jetzt kannst du natürlich sagen: Wenn die Stiftung im ersten Schritt fünfzehn Prozent bezahlt
00:01:31: Sandra: und ich mir dann aber das gesamte Geld Jahr für Jahr auszahle,
00:01:35: Sandra: um dann noch mal fünfundzwanzig Prozent plus Soli zu bezahlen,
00:01:38: Sandra: dann ist das ja viel zu viel Steuern.
00:01:40: Sandra: Dann hätte ich auch gleich alles privat lassen können, die Immobilie privat halten und privat vermieten.
00:01:44: Sandra: Oder bei Aktien zum Beispiel: Da zahlt die Stiftung ja aktuell nur 0,79 Prozent drauf.
00:01:50: Sandra: Wenn du dir dann die Rendite wieder privat auszahlst,
00:01:53: Sandra: zahlst du wieder fünfundzwanzig Prozent plus Soli drauf.
00:01:56: Sandra: Da kann man auch das Argument haben: Dann macht die Stiftung doch gar keinen Sinn.
00:01:59: Sandra: Dann kann ich doch direkt von vornherein privat an der Börse unterwegs sein,
00:02:02: Sandra: mache privat meine Aktiengewinne, zahle fünfundzwanzig Prozent plus Soli drauf.
00:02:07: Sandra: Dann bin ich doch viel günstiger unterm Strich.
00:02:09: Sandra: Und ja, meine ganz klare Aussage ist:
00:02:12: Sandra: Wenn du dir wirklich die gesamten Erträge Jahr für Jahr auszahlen möchtest
00:02:16: Sandra: oder auch vielleicht musst, weil du sie zum Leben brauchst,
00:02:19: Sandra: dann ist die Familienstiftung kein Steuersparmodell.
00:02:23: Sandra: Dann lohnt sich das aus steuerlicher Sicht nicht.
00:02:27: Sandra: Es mag dann vielleicht andere Aspekte geben, die dich trotzdem dazu bewegen,
00:02:30: Sandra: über die Familienstiftung nachzudenken.
00:02:32: Sandra: Aber wenn du rein steuerlich motiviert bist, macht das keinen Sinn.
00:02:36: Sandra: Und wie macht es denn nun Sinn?
00:02:38: Sandra: Es macht super Sinn, in der Stiftung zu vermieten,
00:02:42: Sandra: da Mieteinkünfte zu haben mit nur fünfzehn Prozent plus Soli und das Geld drin zu lassen,
00:02:45: Sandra: um dann da wieder zu investieren, wenn wieder Vermögen da ist.
00:02:51: Sandra: Dann in eine neue Immobilie zu investieren.
00:02:53: Sandra: Oder wenn du mit Aktien handelst, zahlst du 0,79 Prozent Steuern darauf
00:02:56: Sandra: und nimmst es eben nicht raus, lässt es drin und kannst es in neue Aktien investieren.
00:03:03: Sandra: Denn dann profitierst du davon, dass viel weniger vom Finanzamt weggenommen wird.
00:03:09: Sandra: Noch mal zu den Aktien zurück: Wenn du privat Aktien handelst,
00:03:13: Sandra: zahlst du auf eintausend Euro Gewinn zweihundertfünfzig Euro Steuern plus noch Soli,
00:03:18: Sandra: vielleicht sogar Krankenkassenkosten.
00:03:20: Sandra: Das heißt, da ist schon echt viel weg.
00:03:22: Sandra: Wenn du das Ganze in der Stiftung machst, zahlt die Stiftung nur 0,79 Prozent Steuern.
00:03:28: Sandra: Das heißt, es bleibt viel mehr Ertrag da,
00:03:32: Sandra: sodass du von den eintausend Euro in der Stiftung fast die gesamten eintausend Euro wieder
00:03:35: Sandra: reinvestieren kannst.
00:03:39: Sandra: Während, wenn du es privat machst, wirklich schon mehr als zweihundertfünfzig Euro weg sind.
00:03:43: Sandra: Das heißt, es sind weniger als siebenhundertfünfzig Euro da, die du wieder reinvestieren kannst.
00:03:47: Sandra: Das heißt, du hast deutlich mehr Kapital und damit deutlich mehr Macht,
00:03:51: Sandra: dein Vermögen viel, viel schneller aufzubauen.
00:03:54: Babett: Moment, ganz kurz einhaken.
00:03:56: Babett: Das heißt, der eigentliche Vorteil ist gar nicht, dass ich weniger Steuern zahle,
00:04:00: Babett: sondern dass ich mit mehr Kapital arbeiten kann?
00:04:05: Sandra: Ja, ich würde es als Mischform bezeichnen.
00:04:07: Sandra: Du hast ja mehr Kapital, weil du eben in der Stiftung weniger Steuern bezahlst.
00:04:11: Sandra: Aber der Hebel ist dann, dass du mehr Kapital hast,
00:04:13: Sandra: was du eben deutlich schneller vervielfältigen kannst.
00:04:17: Sandra: Wenn du dir zum Beispiel einen Schneeball vorstellst,
00:04:18: Sandra: der im Winter einen schneebedeckten Abhang runterkullert, und du hast einen zweiten Schneeball,
00:04:26: Sandra: der fängt in der gleichen Größe an wie der erste Schneeball.
00:04:29: Sandra: Aber immer nach ein paar Umdrehungen wird von einem Schneeball ein Viertel weggeschnitten.
00:04:33: Sandra: Und dann rollen die weiter und rollen weiter.
00:04:36: Sandra: Und der Schneeball, von dem nichts weggeschnitten wird,
00:04:39: Sandra: der ist natürlich auf lange Sicht deutlich dicker und größer.
00:04:43: Sandra: Und der, von dem immer ein Viertel weggenommen wird, der wächst auch,
00:04:46: Sandra: aber eben deutlich langsamer.
00:04:49: Sandra: Und da siehst du eben: Das ist kein Sofort-Aha-Effekt.
00:04:50: Sandra: Das ist etwas, da sieht man über die Jahre ganz deutlich, dass der eine Schneeball viel, viel größer ist.
00:04:58: Sandra: Und das ist eben die Familienstiftung, das Vermögen in der Familienstiftung,
00:04:59: Sandra: weil eben immer viel mehr Kapital wieder da ist, was reinvestiert werden kann.
00:05:05: Babett: Okay, das Bild verstehe ich.
00:05:08: Babett: Das ist ja sensationell, ist jetzt gerade in meinem Kopf.
00:05:10: Babett: Aber irgendwann muss ich doch das Geld dennoch rausnehmen und dann zahle ich Steuer, oder?
00:05:17: Babett: Und also ist der Vorteil doch eigentlich futsch, nicht existent?
00:05:23: Sandra: Die Frage ist gar nicht unbedingt: Wann nehme ich das Geld raus?
00:05:27: Sandra: Die Frage ist auch: Wer bekommt denn das Geld?
00:05:30: Sandra: Denn es gibt ja viele Möglichkeiten, dass zum Beispiel Menschen,
00:05:33: Sandra: die kein eigenes Einkommen haben, was im Regelfall Kinder oder Enkelkinder sind,
00:05:37: Sandra: Jahr für Jahr schon einen recht großen Betrag steuerfrei aus der Stiftung rausbekommen können.
00:05:41: Sandra: Aktuell sind das zwölftausenddreihundert Euro.
00:05:45: Sandra: Es ist also ein Zusammenspiel von Steuern sparen, langfristig immer mehr investieren,
00:05:50: Sandra: größere Vermögen aufbauen und dann wirklich schauen: Wer bekommt
00:05:56: Sandra: denn jetzt das Geld aus der Stiftung raus und über welchen Zeitraum ist es schon wie gewachsen?
00:06:02: Babett: Also die Stiftung, so wie ich es verstanden habe, ist jetzt kein Trick,
00:06:05: Babett: um Steuern zu umgehen, sondern ein Instrument, das dafür sorgt, dass der Kuchen,
00:06:09: Babett: der irgendwann mal verteilt wird, größer wird.
00:06:12: Sandra: Genau richtig.
00:06:13: Sandra: Also die Stiftung ist wirklich ein Konstrukt, eine Möglichkeit, dass das Vermögen wächst
00:06:18: Sandra: und wächst, und das über Generationen hinweg.
00:06:22: Sandra: Das heißt, jemand, der wirklich nur mal ganz schnell eben Steuern sparen möchte,
00:06:25: Sandra: der fällt sicherlich eher auf die Nase und wird bei der Familienstiftung enttäuscht sein.
00:06:30: Sandra: Denn auf kurze Sicht dauert es eben, bis man wirklich von diesem Zinseszinseffekt
00:06:34: Sandra: und von dieser Mehrrendite profitiert.
00:06:37: Sandra: Wenn du noch mal an den Schneeball zurückdenkst:
00:06:40: Sandra: Je länger der Schneeball einen Abhang runterrollt, also je länger diese Wegstrecke ist,
00:06:44: Sandra: desto größer wird er und desto mehr Unterschiede sieht man dann auch zwischen den beiden Schneebällen.
00:06:50: Sandra: Also wer wirklich nur ganz kurzfristig irgendwie einen Steuerhack sucht,
00:06:52: Sandra: für den ist die Familienstiftung sehr wahrscheinlich nicht das Richtige.
00:06:57: Sandra: Aber derjenige, der auf lange Sicht sein Vermögen wachsen lassen möchte,
00:07:01: Sandra: mehren möchte und das steueroptimal und für die nächsten Generationen zusammenhalten möchte,
00:07:05: Sandra: der kann mit der Familienstiftung ganz wunderbar investieren.
00:07:09: Babett: Das heißt, die ehrliche Antwort auf die Frage „Zahle ich doppelt?“ ist:
00:07:15: Babett: eigentlich nur dann, wenn ich das Instrument, sprich die Familienstiftung, falsch einsetze?
00:07:18: Sandra: Ja.
00:07:21: Sandra: Also dann, wenn du wirklich jedes Jahr alles auscashst, dann zahlst du doppelt Steuern.
00:07:23: Sandra: Wenn du das wirklich intelligent machst und das Spiel verstehst und weißt,
00:07:27: Sandra: welche Hebel du ansetzt, wann wer welches Geld ausgezahlt bekommt, dann kannst du sehr,
00:07:32: Sandra: sehr stark von der Familienstiftung profitieren.
00:07:35: Sandra: Und wir haben uns jetzt gerade in Anführungszeichen nur die Steuervorteile angeschaut.
00:07:39: Sandra: Ich bin ja Steuerberaterin, deswegen finde ich die ganz wundervoll.
00:07:42: Sandra: Die Stiftung hat ja noch weitaus mehr zu bieten.
00:07:45: Sandra: Also Vermögensschutz, Vermögen zusammenhalten, vom Zugriff von außen schützen,
00:07:49: Sandra: kein Erbschaftschaos zu haben, das Vermögen da reinzugeben,
00:07:53: Sandra: keine Streitigkeiten zwischen den Kindern.
00:07:56: Sandra: Es gibt noch ganz viele Aspekte, die die Stiftung wirklich mitbringt neben dem Steuervorteil.
00:08:02: Sandra: Das ist eben das, was, wenn man sich die Zahlen betrachtet, als Erstes ins Auge fällt.
00:08:04: Sandra: Aber die Stiftung hat noch weitaus mehr zu bieten.
00:08:08: Babett: Danke!
00:08:09: Babett: Ich glaube, die Frage jetzt zum Thema doppelte Besteuerung ist gut beantwortet.
00:08:11: Babett: Und ich nehme an, dass jetzt viele anders darüber denken.
00:08:15: Babett: Denn es geht nämlich gar nicht um das Thema Doppelbesteuerung,
00:08:18: Babett: sondern eher um ein bewusstes Wachstumsprinzip.
00:08:22: Sandra: Das freut mich.
00:08:23: Sandra: Dann war's das für heute.
00:08:25: Sandra: Danke, dass du dabei warst bei „Familienstiftung gestalten – weniger Steuern, mehr Vermögen“.
00:08:29: Sandra: Wenn dir die Episode gefallen hat, abonniere gerne den Podcast in deiner Lieblings-Podcast-App,
00:08:33: Sandra: lass mir ein Like da und teile ihn auch gerne mit Menschen,
00:08:34: Sandra: die sich ebenfalls für die Familienstiftung interessieren.
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